Thomas Schubert schreibt
EDITORIAL

zum Beispiel:

Buch über das Düsseldorfer Stadttor "Auf dem Weg zum Wahrzeiuchen", Seite 72, "Zeitraffer":

Aufraffen, bettschweres Gehen, die Tür in den Morgennebel, benebelt selbst noch von Rotweinschlaf und Turmtraum, das Unbewusste mal wieder schneller als das Bewusste. Dann Papa Heine begrüßen wie immer. Frühe Tauben scheißen schon auf Heinrichs vexiertes Bronzegesicht, Schwanengesang zum Geleit, Liberté Egalité Fraternité Adé Henri. Ambulanter Heißkaffee jetzt in der Kälte, magenschonend handwärmend ernüchternd. Sonnenaufgangsfassade rheinaufwärts, plötzlich Morgen. Stadttor, freundlicher Empfang für den einheimischen Fremden über dem Tunnelmund der erste Autoschlangen einatmet, ausgähnt. Wolkenlift, Kopf und Wolken kratzen und dann erste Lichtflut in den Augen, die Stadtgischt als Panoramablick, Schlossturmerwachen und der schräge Gruß von Lambertus dort wo die Düssel noch in ihrem Bettversteck unterm Dorf liegt. Aber Gott ist schon auf, blinzelt zur Akademie hinüber wo junge hungrige Hände aktnackte Leiber ins Leinwandweiß zeichnen. Der Stahlsturz in die Tiefe brückengewässert von Knie und Oberkassel und Flugschneisen dahinter steigt Kaiserswerth in die weiße Flotte. Umdrehen Poet, das Voyeurauge ausfahren, Stift spitzen, Papiernotate destillieren nun da die Menschen anlegen im täglichen Hafen Arbeit, das Bürosegel setzen. Volldampf voraus wie die Kähne blickabwärts die sich gegen die Strömung quälen, kein Sinnbild, hier schwimmt niemand gegen den Strom, keine Mobbingetagen, flurvertrautes Kollegennicken gegenseitig, ein Augenflirt, mehr nicht, jetzt nicht, später Sommernachtsehnsucht im Vorbeigehen zur PC-Zelle die schon im Zenit steht. Müder Mittag macht Pause mit seinen Kollegen, Gesprächsschredder, Stimmen in Streifen, schnell in die Papierkörbe damit wenn später die Türkinnen das zerknüllte Lachen ausleeren, so viel Hygiene muss sein. Zeit steht kurz still, läuft jetzt, rennt auf den Abendturm zu mit leuchtend rasender Uhr im Betonhals und schon ist der Mond ein Pfefferminz im Rachen der überhimmelten Finsternis die den letzten fleißigen Mann zur Tür rausspuckt , zum Tor vielmehr. Stadttor. Gute Nacht Glasdichtesdichterspiegelgesicht, die müden Flussfenster rheinabwärts. Notizbuch letzter Eintrag 24 Stunden Stadttor Düsseldorf. Wahrnehmungen, Wahrzeichen, wahres Wort.

Buch "40 Jahre Strabag Projektentwicklung"
Warum Projektentwicklung im Grunde genommen Persönlichkeitsentwicklung ist.

Nicht selten spricht man bei Gebäuden von Charakter, Persönlichkeit und Ausstrahlung. Die Übertragung menschlicher Eigenschaften und Merkmale auf Bauwerke jeder Art findet keineswegs zufällig statt. Schließlich werden Behausungen seit Urzeiten von Menschen für Menschen und deren unterschiedlichste Ziele und Zwecke entworfen, gebaut und gestaltet. Ob Höhlen, Hütten oder Häuser, ob als Wohn- und Lebensumfeld, Produktions- und Arbeitsraum oder als gesellschaftlicher und kultureller Ort der Begegnung und Versammlung, Gebäude nehmen eine zentrale Rolle, einen wesentlichen Platz in der Menschheitsgeschichte ein. Dabei stehen Mensch und Gebäude nicht nur in einer ständigen wechselseitigen Beziehung und Verbindung, sie unterliegen auch vergleichbaren gesamtheitlichen Bewertungskriterien. So definieren und typisieren äußere Erscheinung wie innere Werte sowohl menschliche Individuen als auch immobile Solitäre.

Auch Gebäude verfügen über eine spezifische Physiognomie, über architektonisch vorgegebene Formen, die sowohl über den ersten Eindruck als auch über dauerhafte Attraktivität entscheiden. Je schöner der Corpus desto verführerischer der Reiz, der Interesse und Begehrlichkeiten weckt. Alles, was an visionärer und humanitärer Kraft beim Planen und Erbauen eines Hauses einfließt, darf man getrost als Geist des Gebäudes bezeichnen. Manifestiert sich doch in jedem Detail, aus dem sich das große Ganze zusammenfügt, die Geisteshaltung aller am Projekt Beteiligter, in das Sie Ideen, Arbeitskraft und Geld investieren.

Und nicht zuletzt kann man bei manchen Gebäuden mit Fug und Recht auch von einer Seele reden oder zumindest von einer Aura oder Atmosphäre, die geprägt ist durch die menschliche Vereinnahmung und Verlebendigung von Räumen. Denn das Innenleben eines Hauses wirkt durch die Menschen und das, was sie bewegt und erleben, was sie von außen hineintragen und von innen herausbringen in die Welt. Wer sich also zum zentralen Ziel setzt, bedürfnis- und zukunftsorientiert für Menschen zu planen und zu entwickeln, für den ist es nur konsequent und sinnvoll, ja sinngebend, auch den Weg dahin menschlich zu gestalten. Das ist der Grund, warum man bei STRABAG jede Projektentwicklung auch immer ein Stück weit als Persönlichkeitsentwicklung versteht und angeht.